CVJM gibt Jugendlichen Orientierung im Leben
Hoyerswerda. Vor 20 Jahren musste in Hoyerswerda etwas getan werden, um die Gefahr einer Wiederholung der rassistischen Ausschreitungen des Jahres 1991 zu bannen. Das konnte nur durch sinnvolle Jugendarbeit geschehen, an der sich auch die Kirchen beteiligen wollten. Als niederschwelliges Angebot für die atheistisch geprägte Stadt wurde deshalb der überkonfessionell agierende Christliche Verein Junger Menschen Hoyerswerda e.V. (CVJM) gegründet.
„Wir vermitteln ethische Werte, die das Zusammenleben in der Gesellschaft bestimmen sollten“, erklärt die Sozialarbeiterin des Vereins, Irena Kerber. Der CVJM agiert in Hoyerswerda, Lohsa, Lauta, Spreetal und der Elsterheide, die den Sozialraum 1 des Landkreises Bautzen bilden.
Er leistet vor allem Streetwork, Spielplatzarbeit und betreut 30 selbstverwaltete Jugendklubs. Diese werden vorrangig bei der Beantragung von Fördergeldern für Projekte unterstützt. „Beim Streetwork sind wir Gäste in den Cliquen“ erklärt Irena Kerber. Im Gespräch erfahren die Mitarbeiter, was sich die Jugendlichen wünschen. Dann wird gemeinsam die Umsetzung geplant und durchgeführt, zuletzt geschehen beim Bau von Fußballtoren auf einer Wiese im WK II. „Wichtig ist dabei, wie mein Kollege und ich miteinander umgehen. Daran orientieren sich die jungen Leute“, weiß Irena Kerber. Wenn ein Jugendlicher private Probleme hat und Unterstützung annehmen will, wird eine Einzelfallhilfe im CVJM-Haus Dreieck in der Kollwitz-Straße angeboten. Grundlage dafür ist ein
Vertrauensverhältnis, um nachhaltig miteinander arbeiten zu können.
Die Spielplatzarbeit bietet vor allem den Kindern im Wohnkomplex V e eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Irena Kerber, Gemeindepädagoge Benjamin Lederer und die ehrenamtliche Helferin Marlis Rössner haben dort einen alten Bauwagen als Stützpunkt, der seit kurzem mittels Kamin beheizbar ist. „Ob es schneit oder stürmt, wir gehen jeden Mittwoch zu den Kindern und es gab in 20 Jahren noch keine Woche, in der niemand gekommen wäre“, sagt Irena Kerber. Die Kinder verlassen sich auf die kontinuierliche Anwesenheit ihrer Betreuer. Im Bauwagen singen sie zur Gitarre oder lesen Minuten-Geschichten vor. Sie beschäftigen sich mit den Auswirkungen des Lügens oder Stehlens. Beim Fußball oder Hockey auf der Wiese lernen die Kinder, sich an Regeln zu halten und eine Niederlage auch mal einzustecken. „Dazu gehört ebenfalls, die eigene Wut nicht an anderen auszulassen“, sagt Irena Kerber.
CVJM lebt vom Engagement seiner Mitglieder und Helfer
Der Verein lebt vom Engagement seiner etwa 40 Mitglieder, die oft neben ihrem Mitgliedsbeitrag noch Spenden zur Verfügung stellen. Außerdem gibt es etwa 15 ehrenamtliche Helfer, die ohne Entschädigung die Durchführung des jährlichen Abenteuerlagers auf dem Pfadfindergelände am Stadtrand und die Organisation von Festen mit sicher stellen. Aktuell organisieren die hauptamtlichen Kräfte zusammen mit den Helfern die Feier zur Vereinsgründung am 17. März, die im Martin-Luther-King-Haus durchgeführt wird. Noch dieses Jahr soll der beschmierte Bauwagen in der 48h-Aktion des Landkreises Bautzen bemalt werden. Die Kinder gestalten derzeit die Motive dafür.
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