Gedenk-Wanderung von Herzberg bis zur Charité
Lübbenau. Vor 25 Jahren veränderte sich das Leben von Familie Mittmann aus Hohenbucko jäh: Der fünfjährige Sohn der Familie fiel immer wieder um und schielte heftig. „Klinischer Verdacht auf einen Hirntumor“ diagnostizierte Dr. Jürgen Schwarick damals und überwies Heiko Mittmann umgehend in die Neurologie des Lübbener Krankenhauses. Fünf Tage später entfernten Ärzte in der Berliner Charité einen tennisballgroßen Tumor aus dem Kopf des Kindes. Heute ist Heiko Mittmann 30 Jahre alt und schaute gemeinsam mit seinen Eltern im Krankenhaus Herzberg vorbei, um sich für die schnelle Diagnose und die gute Nachbehandlung zu bedanken.
Was für die junge Familie damals ein Leidensweg war, rasend schnell und kaum zu begreifen, will Vater Hans-Jürgen Mittmann nun noch einmal zu Fuß abwandern. „Ich will damit Dank halten und auch daran erinnern, dass man in ausweglosen Situationen nicht aufgeben darf“, sagt der umtriebige Mann, der mit Frau und Sohn inzwischen in Döbrichau wohnt. Sohn Heiko wird nicht mit laufen. Er ist zwar vom Krebs genesen, aber inzwischen aufgrund der schweren Medikamente, die er einnehmen muss, Epileptiker und Frührentner. Dennoch ist die Familie dankbar: Der junge Mann lebt, er konnte eine Lehre als Koch absolvieren und hat einen eigenen Haushalt. „Dankbar sind wir vor allem den Ärzten, die sich damals um Heiko gekümmert haben“, sagt Hans-Jürgen Mittmann.
Für Dr. Schwarick, heute Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin des Elbe-Elster Klinikums, und seine Kollegin Dr. Simone Ritter war es ein bewegender und froher Augenblick, ihren damaligen Patienten noch einmal treffen zu können. Sie haben nicht nur die Anfangsdiagnose gestellt, sondern das Kind auch nach Operation, Bestrahlung und Chemotherapie nachbehandelt. „Ich musste damals eine Diagnose ohne die technischen Hilfsmittel stellen, die uns heute zur Verfügung stehen“, erinnert sich Dr. Schwarick. Alle drei Krankenhäuser des Klinikums verfügen über einen Computertomografen, im Krankenhaus Elsterwerda betreibt ein Kooperationspartner zudem einen Magnetresonanztomografen. Eine Odyssee, wie sie Familie Mittmann damals über Lübben und Cottbus zurücklegen musste, um überhaupt eine bestätigte Diagnose zu erhalten, bliebe ihr heute erspart.
Hans-Jürgen Mittmann ist nach dem Besuch im Krankenhaus Herzberg zu seiner Gedenkwanderung gestartet. Fünf Tage lang wollte er von Herzberg über Lübben nach Cottbus und von dort zur Berliner Charité wandern. Geplant waren auch weitere Treffen mit Ärzten, die seinen Sohn vor 25 Jahren behandelten. Am 17. Januar will Mittmann dann gemeinsam mit seinem Sohn und seiner Frau am Brandenburger Tor eintreffen. Auf ganz eigene Weise wirbt er dabei gleich noch für ein Herzensanliegen, denn auf seinem Rücken hat er eine Kiepe voller getrockneter Heilkräuter. „Mein Sohn hätte ohne die moderne Medizin nicht überlebt“, sagt er, glaubt aber auch, dass er mit seinen Heilkräutern die Genesung unterstützen konnte.
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