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Billigimporte ruinieren letztes deutsches Traditionsgewerbe

Wanderschäfer schlagen Alarm

Einer der letzten seiner Art: Der Wanderschäfer Johannes Smietana mit Hund  und Herde auf der Schwäbischen Alb
Foto: Tutto

Region. Glückliche Schafe in freier Natur, ein zufriedener Wanderhirte und sein treuer Hund: Ein seltenes Idyll in Deutschland, das schon bald Vergangenheit sein könnte.

Denn von der artgerechten Herdenhaltung kann kaum noch ein Wanderschäfer leben. "Billige Importwolle ruiniert unsere Existenz", klagt der Schäfer Johannes Smietana von der Schwäbischen Alb. Zwar sei die oft aus Australien stammende Wolle von vergleichbar guter Qualität. "Doch die dortige Massentierhaltung ist für viele Schafe mit großem Leid verbunden". Auf die teils grausamen Zustände weisen auch Tierschutzorganisationen wie Peta hin. Viele Wanderschäfer fühlen sich allein gelassen, zumal sie die benötigten höheren Preise gegen die Billigware allein nicht durchsetzen können.

Hoffnung verspricht die Initiative des deutschen Garnherstellers Tutto: Ein kleiner mittelständischer Betrieb, der sich mit Betroffenen an den runden Tisch gesetzt hat. "Herausgekommen ist das Projekt Schafpate", erklärt Firmenchef Wolfgang Zwerger. "Wir unterstützen Wanderschäfer im ganzen Bundesgebiet". Dafür hat der engagierte Unternehmer, der bereits mit anderen "Rettungsaktionen" im Guinnessbuch der Rekorde steht und von einem Wirtschaftsblatt mit dem Titel "Macher des Monats" geehrt wurde, den "Schäferfonds" aufgelegt: Deutsche Wanderhirten, die sich zur traditionellen Schäferei bekennen, erhalten einen festen Zuschuss pro Kilogramm Wolle. Aktuell sind das etwa 40 Prozent des Marktpreises.
"Damit ist selbst der kleinste Wanderhirte wettbewerbsfähig", betont Zwerger. Die Mittel kommen aus der Schatulle des Unternehmers: "Ein fünfstelliger Betrag in diesem Jahr". Indes, weil das Geld nur eine Anschubfinanzierung sein kann, wirbt Zwerger um Schafpaten: Wer zum Erhalt der deutschen Wanderschäferei beitragen möchte, kann mit einer kleinen Spende die Patenschaft für ein Schaf übernehmen. Für die Schäfer sei das eine Art Fair Trade-Projekt. "Nur dass es hier um artgerecht erzeugte Wolle, das wirtschaftliche Überleben der letzten Wanderhirten und den Erhalt eines Jahrtausende alten Kulturgutes geht".

Eine Idee, die bereits Früchte trägt: Mehr als 300 Deutsche unterstützen die Schäfer als Paten, in der Politik setzt sich der Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann (Grüne) dafür ein und selbst Popstars wie die Sängerin Antonia aus Tirol fördern die gute Sache. Ein Erfolg sei der Sache gegönnt: Die deutsche Wanderschäferei nebst Folgegewerbe gilt als Verlierer der Globalisierung: Von den über 200 Wollfirmen, die es noch in den 70er Jahren gab, sind nur eine Handvoll übrig geblieben. Jeder Schafpate ist ein Hoffnungsschimmer: Über 16 Tonnen "fair" erzeugte Wolle konnten bereits zu hochwertigen Produkten wie Strickgarn verarbeitet werden. Der Verbraucher erkennt sie am grünen Schafpaten-Logo.

W. Zwerger

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